Kristina Hänel und Nora Szász: Wir werden uns nicht auf diese Liste setzen lassen!

Die Ärztinnen Kristina Hänel und Nora Szász kritisieren die Erstellung und Veröffentlichung der Liste, die bundesweit Kontaktdaten von Ärzt*innen enthält, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Hier ihr Statement:

Es ist so weit. Nach der Änderung des §219a StGB im März 2019 obliegt es der Bundesärztekammer, eine Liste der Ärzte und Einrichtungen zu führen, in denen Schwangerschaftsabbrüche möglich sind. Die Liste soll auch die jeweils angebotenen Methoden aufzählen und ständig aktualisiert werden. Diese Liste wurde nun an den Start gebracht. Viele der Informationen, die für die Behandlung wichtig sind, sind nicht enthalten.

Zum Beispiel: Sie enthält keine Details zum chirurgischen Abbruch, weder die Form der Narkose noch die durchgeführte Methode. Betroffene erfahren auch nicht, bis zu welcher Schwangerschaftswoche mit welcher Methode Abbrüche durchgeführt werden, was sich in der Realität oft als großes Problem erweist. Sie erfahren auch nichts über die zu erwartenden Kosten. Frauen wird mit den zurzeit angegebenen 87 Adressen für ganz Deutschland nicht geholfen sein. Sie werden sich weiterhin eher über ausländische Websites informieren, z.B. über http://www.abtreibung-adressen.eu.

Wir werden uns nicht auf die Liste setzen lassen, schon gar nicht während laufender juristischer Verfahren. Dezentrale Listen vor Ort, wie sie schon vor der Änderung des 219a erlaubt waren und beispielsweise in Hamburg geführt werden, können sinnvoll sein. Sie ermöglichen ungewollt schwangeren Frauen einen raschen Überblick, wohin sie sich ggfs. wenden können. Wir unterstützen es auch, wenn Kolleginnen und Kollegen wieder damit beginnen, auf ihren Websites zu schreiben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Damit kann dem „Verschwinden“ des Themas Schwangerschaftsabbruch entgegengewirkt werden, das in den letzten Jahren aufgrund hunderter Strafanzeigen gegen Ärztinnen und Ärzte nach §219a StGB eingesetzt hat.

Unsere Hauptforderung bleibt nach wie vor, dass Frauen ein Recht auf freien Zugang zu Informationen zum Schwangerschaftsabbruch auch auf ärztlichen Websites haben.

Deshalb fordern wir weiterhin die Abschaffung des § 219a StGB. Wir werden uns deshalb nicht dafür einsetzen und dazu aufrufen, sich an der zentralen Liste zu beteiligen. Nach wie vor denken wir, dass eine zentrale Liste keine gute Idee ist. Weder erleichtert sie ungewollt schwangeren Frauen den Zugang zu wichtigen Informationen, noch passt sie in eine Zeit, wo rechtsextremistische Gruppierungen umfangreiche Listen politischer Gegner*innen erstellen, die für jeden Einzelnen, der/die da aufgeführt ist, eine reale Gefahr darstellen.

Kristina Hänel und Nora Szász

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