Interpretationsstreit um Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen – Sachlichkeit fehlt

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Die Anzahl der Schwangerschaftdsabbrüche ist erneut gestiegen. „Das Statistische Bundesamt berichtete, die meisten der Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen ließen, seien zwischen 18 und 34 Jahre alt. Mit insgesamt 72 Prozent stellten sie die größte Gruppe. Der Anteil der unter 18-Jährigen lag bei 3 Prozent, rund 8 Prozent waren 40 Jahre und älter. Im Jahr 2016 hatte es gut 98.700 Schwangerschaftsabbrüche gegeben.“, meldet t-online.

Der Berufsverband der Frauenärzte, bvf, sieht die Ursache in der ungenügenden Beratungsarbeit in Apotheken: „Zum einen wurde in diesem Jahr die Pille danach aus der Rezeptpflicht entlassen, so dass Frauen sie jetzt ohne ärztliche Beratung direkt in der Apotheke erhalten können. „Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Apotheker durch ihre eigene Standesorganisation ungenügend auf diese anspruchsvolle Beratung vorbereitet wurden, und das zu einer Zunahme unerwünschter Schwangerschaften führen könnte…“, heißt es unter anderem.

Dieser Darstellung widerspricht die Bundesvereinigung der Apothekerverbände vehement: „Einen Zusammenhang zwischen der Entlassung von Notfallkontrazeptiva aus der Verschreibungspflicht und Schwangerschaftsabbrüchen zu postulieren, ist abenteuerlich und vergleichbar mit dem ‚Zusammenhang‘ zwischen dem Schokoladenkonsum verschiedener Länder und der Anzahl der Nobelpreisträger aus diesen. Zudem spricht der Anstieg der Abgabezahlen von Notfallkontrazeptiva seit 2015 bis Ende 2016 dagegen, dieser hat sich 2017 fortgesetzt.“, heißt es in der Apotheker-Zeitung.

Beide Organisationen klären allerdings nicht darüber auf, dass die Einnahme der „Pille danach“ gar keine Abtreibung bedeutet. Vielmehr verschiebt, bzw. unterdrückt sie den Eisprung, so dass gar keine Zeugung stattfindet. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, ist sie nicht mehr wirksam, verursacht auch keinen Abort, siehe hier.

Wir würden uns wünschen, dass die Fachorganisationen seriös mit der Interpretation von Statistik umgehen. Dies findet übrigens auch Der Spiegel. So kann man allenfalls mehrere Ursachen heranziehen. Eine besteht beispielsweise darin, dass viele geflüchtete Frauen Schwangerschaften abbrechen. Die faz meldet, dass die Anzahl Minderjährger gestiegen sei, die ungewollt schwanger wurden und die Schwangerschaft abbrechen ließen. Außerdem sei es häufiger zum medikamentösen Abbruch gekommen.

Für ideologische Schauplätze taugt die Statistik also nicht.

 

 

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